Blasinstrumentenbau im Vogtland
Exkursion Musikalische Akustik: Blasinstrumentenbau im Vogtland
Um die Vorlesung zur Musikalischen Akustik und das semesterlang vermittelte Wissen über Tonerzeugung an Instrumenten, über Röhren- und Helmholtzresonatoren, Druckknoten, Schneidentöne und Mündungskorrekturen praktisch zu untermauern, lud Prof. Thomas Görne im Januar 2005 zu einer Exkursion in sächsische Vogtland ein. Im damaligen dritten Semester des ETI fand er fünf begeisterte Mitstreiter, die sich ihm für eine dreitägige Fahrt ins tief verschneite Mekka des Blasinstrumentenbaus anschlossen.

Von Tuten und Blasen hat man in diesem Teil Deutschlands Ahnung. Soviel war nach Besuch der riesigen Fabrik von JA Musik, ansässig in Markneukirchen, deutlich geworden, wo alle Arten von Blechblasinstrumenten industriell gefertigt werden. Wir genossen eine beeindruckende Führung durch den Fabrikleiter, der trotz mitunter beträchtlichen Umgebungslärms alle Arbeitsschritte in der Fertigung von Hörnern, Trompeten, Posaunen und verwandten Klangerzeugern erläuterte. Als Kontrast besuchten wir die Meisterwerkstatt der Gebrüder Mönnig & Adler, in der Oboen, Klarinetten und Fagotte gefertigt werden. Dort stellt eine sehr überschaubare Anzahl an Mitarbeitern die einzelnen Teile der Rohrblattinstrumente in Handarbeit her. Obschon auch hier Drechselmaschinen und CNC-Fräsen eingesetzt werden, unterscheidet sich der Stückpreis eines solchen Meisterinstruments natürlich deutlich von einem Fabrikprodukt.
Alles, was geblasen, gestrichen, gezupft oder geschlagen werden kann, findet sich in Markneukirchens großartigem Instrumentenmuseum. Auf kleinstem Raum sind hier alle antiken und modernen Bauformen einheimischer und exotischer Klangkörper versammelt. Da blieben wenig Wünsche offen, vielleicht mit Ausnahme der nach dem Anblick eines Violinbasses, nach welchem wir vergeblich fragten. Das Örtchen Zwota ist außerdem Sitz eines in Europa einzigartigen Forschungsinstitut für Musikalische Akustik, das seit einem halben Jahrhundert Pionierarbeit im Bereich des Instrumentenbaus leistet. Wir besichtigten diese kleine Firma und ihre Räumlichkeiten, den reflexionsarmen Raum und die verschiedenen Messstationen, deren Erkenntnisse schon zu entscheidenden Verbesserungen in der Konstruktion verschiedener Musikinstrumente geführt haben. Das Institut verwendet außer den akustischen Messungen auch Computermodelle der untersuchten Instrumente.

Die fachliche Informationsqualität war durch diese Besuche also hinreichend gesichert. Aber auch unser Hotel in Zwota bot mit feiner Speisekarte, Pool und Sauna eine höchst willkommene Palette privaten Komforts. Nach kurzem Waldspaziergang im Tiefschnee und einem Abstecher zur Klingenthaler Talsperre traten wir die Heimfahrt an. Derartig inspirierenden Anschauungsunterricht wünscht man sich häufiger.
zur Fotogallerie...
(Text: Wendelin Bitzan; Fotos: Christoph Bley)

