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Aspekte der Reproduzierbarkeit von Zeitgenössischer Musik mit Live-Elektronik und ihrer Interpretationspraxis

Hendrik Manook, 2006

Musik lebt durch ihre Produktion und Reproduktion, und besonders im Umfeld der klassischen Musik ist der Bereich der aktiven Reproduktion sehr bedeutend. Dies zeigt sich bereits in der Tatsache, daß die Arbeitsbereiche der beteiligten Personen schon durch
ihre Ausbildung in Komposition und Interpretation getrennt werden, zur Ausführung von Musik aber in Kombination auftreten müssen. So ist die Überlieferung von allen Werken klassischer Musik als Teil unserer gelebten Kultur nur dann möglich, wenn es immer wieder Interpreten gibt, die sich dieser Werke annehmen, sie einstudieren und öffentlich präsentieren.

Man kann davon ausgehen, daß diejenigen Werke, die als besonders gut und wertvoll betrachtet werden, immer wieder gespielt und angefordert werden und daß sich so im Laufe der Zeit eine Auswahl der beliebten Stücke weiterverbreiten wird; der Rest wird
eventuell vergessen oder geht ganz verloren. Daher ist es völlig natürlich, daß es in Zeitgenössischer Musik viele Werke gibt, die
produziert werden, aber davon nur wenige auch noch nach langer Zeit immer wieder aufgeführt, also reproduziert, werden. Nach inzwischen mehrjähriger aktiver Beschäftigung mit der Zeitgenössischen Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, insbesondere als Klangregisseur und Aufnahmeleiter, bin ich persönlich zu der Überzeugung gekommen, daß durch die Ergänzung des akustischen Instrumentariums mit live eingesetzter Elektronik seit inzwischen mehreren Jahrzehnten dieser Selektionsprozeß empfindlich gestört wird. Durch mangelhafte, unzureichende oder schlicht nicht vorhandene Dokumentation der Apparaturen der Elektronik in  Verbindung mit ihrer schnellen Veränderung gehen die für eine Reproduktion notwendigen Informationen nämlich ungewollt verloren. Diese Dokumentation ist aber nötig, da die Vielfältigkeit der Geräte der Elektronik und insbesondere deren Kombinierbarkeit die Varianten der traditionellen Instrumente bei weitem übersteigt. Die Selektion der Werke findet also nicht mehr nur über die Bewertung der Stücke in ihrer musikalischen Qualität statt, sondern ist zudem abhängig von der Qualität der  Dokumentation, die der Elektronik beigegeben wurde.

Dies mag daran liegen, daß der Komponist fast immer bei den ersten Aufführungen anwesend ist und sich nicht bewußt macht, wie viele Informationen nur er liefern kann, die für eine adäquate Realisierung der Technik und für ihren genauen Einsatz im Stück  notwendig sind. Auch wenn er nicht selber die Klangregie führt, so wird er doch in Proben und eventuell auch im Konzert korrigierend eingreifen, indem er Anweisungen gibt, die den Interpreten weitere Informationen über die Realisierung oder den Umgang mit der Elektronik bieten, zumindest in der jeweiligen Situation. Aufgabe dieser Arbeit soll es nun sein, Kriterien für eine unabhängige Dokumentation von Musik mit Live-Elektronik zu finden, die den beteiligten Personen bei der Reproduktion eines solchen Werkes zur Umsetzung dienlich sein können. Dies gilt insbesondere für den Fall, daß weder der Komponist, noch sonstige Personen, die mit ihm das betroffene Stück erarbeitet haben, anwesend sind und für Nachfragen zur Verfügung stehen, ebenso für eine sinnvolle Archivierung in nicht mündlicher Form.
Die Arbeit teilt sich in drei große Abschnitte:

• Zunächst werde ich eine Auflistung der gängigsten technischen Komponenten für Live-Elektronik durchführen, systematisieren und dann auf die genannten Kriterien hin analysieren. Es sei darauf hingewiesen, daß diese Auflistung zwar den Anspruch einer umfassenden Systematisierung hat, aber die Auswahl der Komponenten subjektiv und exemplarisch ist, sich also weitere finden lassen,die aber meiner Meinung nach zweitrangig sind.

• Danach werde ich verschiedene Aspekte des interpretatorischen Umgangs mit dieser Elektronik betrachten und hier ebenfalls Kriterien für eine allgemeingültige Dokumentation herausarbeiten.

• Schließlich stelle ich eine Methodik vor, die mein Vorschlag für eine sinnvolle Vorgehensweise bei der Entwicklung einer Dokumentation im oben genanntenSinne ist.

Es sei darauf hingewiesen, daß ich in dieser Arbeit ausschließlich die Audio-relevanten Aspekte von Live-Elektronik betrachten werde, da mein Studienfach dies nahelegt.

Zur vollständigen Arbeit als pdf
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