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Vergleich verschiedener Stereo-Hauptmikrofonverfahren

In der Regel wird ein Klangereignis in erster Linie von einem günstig plazierten zentralen Mikrofon aufgezeichnet, dem Hauptmikrofon. Dieses sollte bereits den Großteil der endgültigen Mischung einfangen, im Idealfall ist es das einzige Mikrofon.

Gemäß der physiologischen und psychologischen Eigenschaften des Gehörs, das räumliche Abbildung vorrangig über Pegeldifferenzen und Zeitunterschiede zwischen linkem und rechten Ohr auswertet, gibt es drei Grundprinzipien der Hauptmikrofontechnik:

  1. Koinzidenzmikrofone bestehen aus zwei gleichen Mikrofonkapseln, die aufgrund ihrer Richtwirkung Pegelunterschiede zwischen den Kanälen verursachen. Dabei werden die beiden Kapseln möglichst nahe übereinander mit unterschiedlichen Winkeln ausgerichetet. Der Schall erreicht beide Kapseln gleichzeitig (koinzident). Man bezeichnet diese Technik auch als Intensitätsstereophonie oder XY-Stereophonie.
    • Spezialform Blumlein - zwei Achten mit 90°
    • Spezialform MS - ein Mittenmikrofon (Summensignal) und eine Acht quer zur Haupteinfallsrichtung als Seitenmikrofon (Differenzsignal).
  2. Die Laufzeitstereofonie verwendet zwei Mikrofone, die in einem gewissen Abstand zueinander vor dem Klangkörper plaziert werden. Durch die Laufzeitdifferenz der Schallsignale ergeben sich Zeitunterschiede, die beim Hören dann eine Richtungswahrnehmung verursachen. Man bezeichnet diese Technik zur Unterscheidung als AB-Stereophonie.
  3. Äquivalenzmikrofone nutzen nun beide Parameter (Pegel und Zeitunterschiede), um eine angenehme Abbildung bei gleichzeitig kompakten Abmessungen zu erreichen. Dies ist möglich wegen einer äquivalenten Richtungswahrnehmung, die zum Beispiel aus den "Williams-Kurven" (nach Michael Williams, siehe Abb. unten) ersichtlich sind).

Die Richtungsabbildung des Klangkörpers auf der Stereobasis hängt vor allem von den erzeugten Pegel- und Laufzeitdifferenzen ab. Man definiert den "Aufnahmewinkel" als den Winkel vom Mikrofon aus gesehen, der eine Ortung über die ganze Lautsprecherbasis erzeugt. Bei der AB-Sterefonie ergibt sich aus den Laufzeitdifferenzen z.B. die abgebildete Kurve in Abhängigkeit des Mikrofonabstands. Da bei der XY-Stereophonie immer nur Pegeldifferenzen wirksam sind, lassen sich zum Beispiel die resultierenden Richtcharakteristiken eines MS-Koinzidenzmikrofons mittels einer Matrix in ein XY-Signal überführen.

Genauere Information und das Berechnungsprogramm "Image Assistant" findet sich in Internet unter www.hauptmikrofon.de. Für die Mac-User gibt es das anschauliche Hilfsprogramm SR-Angle (Download). Bei aller Rechenwut darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass die Richtwirkung realer Mikrofone frequenzabhängig ist.

 

Im Vergleich wurden nun einige Verfahren ausgewählt und gegeneinandergestellt:

XY Intensitätsstereophonie zwei Nieren mit einem Öffnungswinkel von 135°
Blumlein " zwei Achten mit einem Öffnungswinkel von 90°
MS " Mono - Kapsel = Kugel, Seiten - Kapsel = Acht
AB Laufzeitstereophonie mit 50 cm, 70 cm und 100 cm Mikrofonabstand
ORTF Äquivalenzstereophonie 17 cm bei 110°, Aufnahmewinkel 96°
Pegeldifferenz = 8,2 dB (60%), Laufzeitdifferenz = 0,368 ms (40%)
NOS " 30 cm bei 90°, Aufnahmewinkel 81°
Pegeldifferenz = 5,42 dB (42%), Laufzeitdifferenz = 0,573 ms (58%)

(sa)

[zu den Hörbeispielen...]

 

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