Seminar zu Filmton und Sounddesign
Außer dem klassischen Einsatzbereich des Tonmeisters in der
Musikproduktion gibt es eine Reihe weiterer Felder, die mit
Audiotechnik zu tun haben und in denen man sich nach dem Studium
betätigen kann. In erster Linie ist dies natürlich Film- und Videoton.
Neben der Produktion der Filmmusik (die ein sehr spezielles Thema ist)
geht es dabei vor allem um die Aufnahme und Mischung von Sprache,
Geräuschen und Hintergrundatmosphären.
Zu diesem Thema wurde am 17./18.1.2004 im
Erich-Thienhaus-Institut ein zweitägiges Seminar unter der Leitung von
Mathias Eberhardt vom SWR Stuttgart durchgeführt. Ziel war es dabei,
uns einen Einblick in die Arbeit des Filmtonmeisters zu geben, und
aufzuzeigen welche technischen und ästhetischen Probleme auftreten
können und wie man sie löst.
Das Seminar begann mit einer Chronologie des Film- und Fernsehtons, in der auch viele Fachbegriffe und Standards erklärt wurden.
Als nächstes wurde das Problem des O-Tons beleuchtet. Dazu führte Herr Eberhardt uns etliche gute und weniger
gute Beispiele vor und erklärte uns, worauf man bei der Aufnahme von
O-Tönen achten muss. Wir erfuhren auch, wie schwierig es sein kann,
nachträglich im Studio produzierte Aufnahmen "realistisch" klingen zu
lassen, wenn die O-Töne vom Drehort zu nachlässig aufgenommen wurden.
Die Möglichkeiten des kreativen Sounddesigns führte uns Herr
Eberhardt am Beispiel eines quietschenden Gartentors vor, das sich sehr
eindrucksvoll mittels Pitch-Shifting, Time-Stretching und etlichen
anderen Operationen in eine riesige, ins Schloss fallende Kirchentür
verwandelte. Das Beispiel des Laserschwert-Sounds aus den
Star-Wars-Filmen zeigte, dass selbst bei Phantasieklängen der
Science-Fiction-Welt ein sorgfältig bearbeiteter "echter" Klang der
reinen Computersynthese vorzuziehen ist.
Zum Thema der Nachsynchronisation von Dialogen sprach
Herr Eberhardt auch über die unterschiedliche Filmton-Ästhetik in
verschiedenen Ländern. Im direkten Vergleich des deutschen, englischen
und spanischen Tons zum Film "Amadeus" stellte sich z. B. heraus, dass
in der deutschen Fassung die Sprecher viel direkter aufgenommen sind
als in der englischen und spanischen. Außerdem legen die Deutschen
offensichtlich viel mehr Wert auf Lippensynchronität als die Spanier -
noch anspruchsvoller sind wohl nur die Amerikaner, die einen
ausländischen Film lieber noch einmal auf englisch drehen, als den
seltsam asynchronen Anblick einer "Synchronfassung" zu ertragen.
Zusammenfassend sahen wir uns etliche Filmszenen aus gängigen Kino- und Fernsehfilmen an. Wir stellten Vermutungen darüber an, wie der Ton aufgenommen wurde, und übten hier und da auch Kritik. Herr Eberhardt wies uns auf Fehler hin und erklärte, wie diese wahrscheinlich zustande gekommen sind. Zum Schluss zeigte er uns noch wie man unser HD-System für Filmton einsetzen kann und welche besonderen Operationen es dafür bereit hält. Durch das Filmton-Seminar haben wir einen guten Einblick in dieses Feld bekommen. Da das Erich-Thienhaus-Institut professionelle Videotechnik besitzt, können wir nun das gewonnene Wissen auch sofort anwenden. (bs)

